Der Charakter der Katze hat seit jeher Menschen fasziniert: Sie sind nicht loyal und abhängig, unterwürfig wie Hunde, oder völlig in anderen Sphären wie Vögel oder Fische. Katzen sind die Haustiere, zu denen Menschen einen Bezug haben, die aber dennoch völlig unabhängig sind. Man kann eine Katze nicht halten, wenn diese das nicht selbst will. So ensteht ein Bild der Katze gegenüber dem Menschen, das geprägt ist durch Überlegenheit, Übersinnlichkeit und Überheblichkeit.

Das wandelnde Image

Die Katze ist aus dem heutigen Alltag nicht mehr wegzudenken. Laut statistischen Angaben ist sie das beliebteste Haustier in Deutschland. Doch welches Image kommt ihr heutzutage zu? Und wie hat es sich gewandelt?

Im alten Ägypten wurden Katzen als Gottheiten verehrt. Es gibt Manuskripte und Malereien, Grabinschriften oder Gravuren aus jener Epoche, die belegen, dass die Katze allerdings auch ein sehr domestiziertes und häufig anzutreffendes Haustier war. Neben der Verehrung in Tempeln ist also die damalige Rolle der Katze der heutigen nicht unähnlich gewesen.

Dieses positive Bild der Katze verkehrt sich im Mittelalter und der frühen Neuzeit ins genaue Gegenteil: Anstatt als etwas Göttliches werden Katzen nun als dämonisch und teuflisch angesehen. Trotz des bleibenden, stetigen Nutzens der Tiere als Mäuse- und Rattenfänger, wird eine so negative Symbolik entwickelt, dass Katzen schließlich während der Hexenverfolgungen ebenso gefoltert und getötet werden wie vermeintliche Hexen.

Die moderne Katze

Ab der Industrialisierung des 19. Jahrhunderts wurde die Katze in westlichen Kulturen fester Bestandteil der Haustiere. Ebenso wie es bereits bei Hunden oder Pferden geschah, wurde nun damit begonnen, bestimmte Rassen zu züchten. Außerdem wurden die Katzen im Wohnhaus gehalten.

Ab dem 20. Jahrhundert stieg die Beliebtheit der Katze weltweit an. In unserer modernen Zeit findet man sie überall: Katzen gelten als Internet-Berühmtheiten, Hello Kitty ist eine global bekannte Marke und die Winkekatze, der japanische Glücksbringer, ziert so manches Autofenster und Büro.

Das Image der Katze hat sich also über die Jahrhunderte stark gewandelt und wurde durch die jeweiligen Gesellschaften geprägt. Die aktuelle Beliebtheit rührt jedoch nicht von ihrer Unterwürfigkeit her. Es scheint, als gäbe es gerade wegen des Charakters der Vierbeiner so zahlreiche Katzenliebhaber. Ein moderner Mensch fühlt sich immer gut, wenn eine Katze ihm Beachtung und Aufmerksamkeit schenkt, wenn sie ihm sogar Zuneigung zeigt. Durch das Image von Arroganz und Eigenwilligkeit wirft es ein besonderes Licht auf jeden, den eine Katze ,,auserwählt”. Es ist kein Wunder, dass so viele Menschen gern Katzen zu Hause haben. Ein Haus, in dem eine Katze lebt, ist es auch wert; vielleicht wird die gewisse Göttlichkeit den Katzen also immer erhalten bleiben.